Kultur- und Landschaftspflegeverein
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Die (Kurz-) Geschichte des Schmidt-Hauses

  • Das Schmidt-Haus - Niederdeutsches Hallenhaus, heute unter Denkmalschutz.

  • Erbaut 1838 auf der Doppelkätnerstelle Nr. 13/14 von Detlef C. Schmidt.

  • 1863 Konzession des dänischen Königs zum Betrieb einer Grützmühle.

  • Bis 1984 im Besitz der Familie Schmidt/Erben. Letzter Bewohner: Ernst Schmidt

  • Eigentümer: Kultur- u. Landschaftspflegeverein / Schönkirchen e.V. seit 1984

  • Ausbau zur Kultur- und Begegnungsstätte von 1985-1995

  • Ausgebrannt am 25. August 1995.

  • Wiedereröffnung am 7. Mai 1997

 

 

Das Schmidt-Haus
(Abdruck aus der „Chronik Schönkirchen“ von 1993)

Ein Besuch im Schmidt-Haus 1838 

Im Herbst des Jahres 1838 stand der Großkätner Detlef Christian Schmidt auf dem Hofplatz seiner Doppelkätnerstelle vor dem geöffneten Scheunentor seines neu erbauten Hauses. Er blickte frohgestimmt durch das zweiflügelige Tor auf die mit buntem Herbstlaub geschmückte Kaffeetafel auf der Diele. Am Nachmittag erwarteten er und seine Frau Gäste aus der Nachbarschaft zur Einweihung des Hauses. Gerade öffnete seine Frau Anna die Küchentür und stellte zwei Teller mit duftendem Hefegebäck auf die lange Tafel. Sie lächelte ihm zu, und mit einer Handbewegung deutete sie ihm hereinzukommen. Langsam ging er über das Kopfsteinpflaster, dabei schaute er zu dem grauen trapezförmigen Stein in der Mitte des Torbogens über der Dielentür und freute sich über die Entscheidung, den Stein mit den Anfangsbuchstaben 


Der Stein über der Grootdör,  der Name von Anna Margaretha Dorotheas wurden gekürzt mit den Buchstaben MD eingesetzt.
 

seines und des Namens seiner Frau (Anna, Magaretha, Dorothea) und der Jahreszahl der Erbauung dieses Gebäudes verziert zu haben. 

Als niedersächsisches Fachhallenhaus mit kombiniertem Wohn-Wirtschaftsteil war es in traditioneller Weise und im Stil dieser Gegend in Schleswig-Holstein gebaut. Hausbeschriftungen mit einem Hinweis auf die Eigentümer des Anwesens waren in Schönkirchen und seiner Umgebung unüblich, weil die großen Hufenstellen bis ca. 1780 in landesherrschaftlichem Besitz waren. Auch die Kätner, die als Besitzer ihrer Stellen  diese Eigenschaft der Hausverzierung nutzen konnten, machten von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch. So war sein Haus in diesem Jahr 1838 erst das dritte in Schönkirchen, das eine Beschriftung trug. 

Von fern hörte er schon das Stimmengewirr seiner Gäste. Er beeilte sich, ins Haus zu kommen. Das Ehepaar Schmidt begrüßte die Besucher am seitlichen Haupteingang zur Plüßkuhle. Der Hausherr begann den Rundgang zur linken Seite der Diele. Dort befand sich die Klüterkammer mit einem reichen Sortiment von Werkzeugen zur handwerklichen Betätigung der männlichen Hausbewohner. Dahinter lag die Gerätekammer, in der Gegenstände für die Feld- und Gartenbestellung und kleine landwirtschaftliche Geräte abgestellt waren. Der Kuhstall und der Pferdestall schlossen sich an die vorhergehenden Räume an. Auf der gegenüberliegenden Seite befand sich der Schweinestall mit einer direkten Tür zur Hofseite. Es folgte ein schmaler Schafstall, ein Hühnerstall und eine Hochkammer für die Hausmagd. Der große Boden über der Diele diente als Stauraum für Heu- und Strohvorräte. Die Diele selbst beherbergte alle zum Hof gehörenden Fuhrwerke. 

Die Führung durch den Wohnteil, das Schmuckstück des Hauses, behielt sich die Hausfrau vor. Die weiblichen Gäste konnten ihre Neugier kaum noch zügeln, denn man hatte im Dorf schon allerlei über die Großzügigkeit der Räume erzählt. Durch die Küche gelangte man geradewegs in das stattliche Wohnzimmer, auch "best Stuv" genannt. Der munteren Gästeschar verschlug es ein wenig den Atem, als sie diesen hellen freundlichen Raum betraten, wohnten sie doch fast alle noch in sehr alten Häusern mit niedrigen Zimmern, deren Fenster nicht eben viel Tageslicht in die Stuben ließen. Dieses Wohnzimmer mit seiner hohen abgerundeten Decke erinnerte an die großbürgerlichen Räume eines vornehmen Stadthauses. Der Kachelofen an der linken Wand neben der Tür strahlte eine behagliche Wärme aus, die Einrichtung zeigte biedermeierliche Gediegenheit. Nur das kleine "Guckfenster" rechts neben der Stubentür, durch das man das Geschehen auf der Diele beobachten konnte, wies  die Besucher darauf hin, daß sie sich in einem Bauernhaus befanden. Rechts neben der "best Stuv" lagen das Schlafzimmer und das Kinderzimmer. Durch die Tür neben dem Kachelofen betrat man die "lütt Stuv", die tägliche Stube oder auch kleine Stube genannt. Auch dieser Raum war hell und freundlich. Von der kleinen Stube gelangte man in die Küche, und hier hielt sich das Entzücken der weiblichen Gäste kaum noch in Grenzen. Die meisten der Besucherinnen hatten in ihrem Haus noch eine Feuerstelle auf der Diele, einen sogenannten Schwibbogen. Dort wurde das Essen in eisernen Grapen auf offenem Feuer zubereitet. Anna Margareta Schmidt stand in ihrer neuen Wohnung, eine abgeschlossene, vom Dielenbetrieb getrennte  Küche und ein eiserner Küchenherd mit einem Backofen zur Verfügung. Dem Herd gegenüber befanden sich Tisch und Stühle. Hier versammelte sich die Familie, um die gemeinsamen Mahlzeiten einzunehmen. Eine zweiflügelige Tür führte direkt nach draußen. Der ganze Stolz der Hausfrau war nicht unbedingt die gute Stube oder die fortschrittliche Küche, nein, sie präsentierte freudestrahlend den mit rotem Ziegelpflaster ausgelegten, kühlen Milchkeller und die darüberliegende Speisekammer. Beide Vorratsräume waren  von der Küche durch zwei voneinander getrennte Türen über einige Stufen zu erreichen. In der Küche endete der Rundgang durch das Haus. Die Bäuerin öffnete die Tür zur Diele und bat alle Anwesenden, an der Kaffeetafel Platz zu nehmen. 

Doch bevor sich alle über die reichlich bestückten Kuchenteller hermachten, bat Detlef Schmidts Nachbar Claus Stoltenberg noch einmal um Gehör. Er lobte den Mut, den Schmidt mit dem Bau dieses Hauses gezeigt hat, fand anerkennende Worte für den Fleiß und die Leistung der Eheleute und wünschte Glück und Segen allzeit in diesem Haus. Ein heftiger Beifall der übrigen Gäste unterstrich seine Worte. Detlef Schmidt dankte für die wohlmeinende Anerkennung. Durch ein Nicken gab er seiner Frau zu verstehen, daß sie damit beginnen könne, den Kaffee einzuschenken.  

Die Familie Schmidt 

Wer war nun dieser Detlef Christian Schmidt, der als Kätner ein größeres Haus baute, als ein Hufner im Dorf es je zuvor besessen hatte? Detlef Christian Schmidt, war der erstgeborene Sohn des Bauernvogts Jürgen Christian Schmidt und der Lucia Magdalena Schmidt verwitwete Wolf. Lucias erster Mann, Hans Hinrich Wolf, starb nach nur sechsjähriger Ehe im Jahre 1791, vier kleine Kinder hinterlassend. Die junge Witwe ging eine zweite Ehe ein mit Jürgen Christian Schmidt, ihre Kinder mußten versorgt sein, und die Bewirtschaftung des Hofes mußte weitergehen. Jürgen Schmidt wußte, daß er und seine Kinder aus dieser Verbindung keine Erbansprüche auf die Hufe geltend machen konnten, denn er bewirtschaftete die Stelle "nur" als Setzwirt, als Verwalter für den noch nicht volljährigen Erben aus der ersten Ehe seiner Frau. Seine Kinder aus dieser Ehe hatten nur das Recht, als Knecht oder Magd auf der Bauernstelle zu bleiben, oder sie mußten sehen, daß sie sich "gut"

verheirateten. Sein erstgeborener Sohn Detlef Schmidt hatte also gar keine Chance, jemals selbständiger Hufner oder Kätner zu werden, es sei dann, daß er eine Frau heiraten würde, die einen Hof besaß. 

Im Frühjahr des Jahres 1819 starb in der nächsten Nachbarschaft seines Eltenhauses, auf der Kätnerstelle Nr. 13, der Mann seiner Cousine Anna Margaretha Dorothea Hausschildt, geborene Schmidt. Im Herbst des gleichen Jahres heiratete Detlef Christian die Witwe Hausschildt und kam so als Setzwirt, für die minderjährige Tochter aus der ersten Ehe seiner Frau, auf die Katenstelle. Wohlwissend, welche Zukunft auch seinen Kindern beschieden sein würde, führte er die Stelle dennoch sorgsam und umsichtig. Detlef Christian Schmidt und seiner Frau Anna Margaretha wurden, außer drei jung gestorbenen, folgende Kinder geboren: 

1. Elisabeth Margaretha                 geb. 20. Juni 1821

2. Detlef Christian                          geb. 1. Februar 1823 

Detlef Schmidt kaufte von seinem Schwager Claus Friedrich Mordhorst 1830 die an seine Stelle grenzende Katenstelle Nr. 14, auch "Hoch Lücht" genannt. Zu dieser Kate gehörte seit 1680 eine Grützmühle, die gemeinschaftlich  mit dem jeweiligen Besitzer der Kate Nr. 13  bewirtschaftet wurde. Seit dieser Zeit trug die Stelle die Bezeichnung Doppelkätnerstelle. Die Erbin des Hofes, Anna Magdalena Hausschildt, die Tochter aus der ersten Ehe seiner Frau, heiratete im Sommer des Jahres 1837 den Gastwirt Johann Bendix Schmidt aus der Wik und verzichtete zugunsten ihres Stiefvaters auf ihr Erbe. Detlef Schmidt wurde 1838 eingetragener Besitzer des Anwesens. Im gleichen Jahr baute er südöstlich der alten Stammkate auf seinem Grundstück ein neues Haus, das heutige Schmidt-Haus. 

Er ließ ebenfalls alle anderen Gebäude, das Stammhaus, die Abschiedskate, das Backhaus und einen Stall renovieren und übergab den Besitz 1850 an seinen Sohn Detlef Christian. Seine Tochter Elisabeth Magdalena heiratete bereits 1843 den Hufner Peter Stoltenberg, ein Sohn seiner Halbschwester, welche nach dem Tode seines Vaters 1814 die Hufe übernahm, auf der Schmidt geboren wurde. 

In seinem Buch "Nachrichten aus dem Kirchspiel Schönkirchen" schrieb Hartwig Friedrich Wiese über den alten Detlef Schmidt: "Schmidt, der als sorgsamer Wirtschafter seinesgleichen suchte, schied im Alter von 73 Jahren aus dieser Welt, seine Witwe folgte ihm am 11. April 1869 im Alter von 84 Jahren".Detlef Christian Schmidt II. war verheiratet mit Dorothea Henriette Dibbern, Tochter des Hufners Hartwig Dibbern aus Schönkirchen. Das Ehepaar hatte folgende Kinder: 

1. Dorothea Magdalena, geb. 21. August 1848
2. Detlef Friedrich, geb. 1. September 1850
3. Claus Friedrich, geb. 22. November 1852
4. Johannes Heinrich, geb. 21. August 1855
5. Margaretha Maria, geb. 13. Januar 1858
6. Ernst Heinrich, geb. 28. Februar 1861
7. Auguste Magdalena, geb. 6. Januar 1864 

Der Kätner Detlef Schmidt erhielt 1863 vom dänischen König, der gleichzeitig Herzog von Schleswig und Holstein war, per Urkunde die Erlaubnis, die auf dem Grundstück befindliche Grützquerne "im Handbetrieb mit einem Pferd" zu führen. Die Urkunde hatte folgenden Wortlaut: "Wir Frederik der Siebente, von Gottes Gnaden König zu Dänemark, der Wenden und Gothen, Herzog zu Schleswig, Holstein, Stormarn, der Dithmarschen und zu Lauenburg, wie auch zu Oldenburg. Thun Kund hiemit, Wir auf allerunterthänigstes Ansuchen Allergnädigst erlaubt haben, auch hindurch und Kraft dieses concedieren und bewilligen, daß der Kätner Detlef Christian Schmidt in Schönkirchen, Amts Kiel, die auf seiner Stelle Kraft einer verfallenen anklebenden ealgerechtigkeit befindliche Handquerne zum Mahlen von Buchweizen- und Hafergrütze künftig mit einem Pferd treiben und sein Fabrikat absetzen sowie sich überhaupt dieser Hinsicht, insofern darin nicht durch spätere allgemeine Anordnungen eine Änderung getroffen werden möchte, ungehindert bedienen möge. 
Indessen soll er hierdurch keineswegs befugt sein, Mehl zu mahlen oder Malz zu schroten, es sei denn, daß er hierzu anderweitig berechtigt oder concessioniert worden, und ist verpflichtet, für diese ihm ertheilte Freiheit eine jährliche Recognition von acht Reichsthalern in unser dortiges Amtsregister promt und richtig zu erlegen. Übrigens soll der Impetrant bei Verlust dieser Unserer Conssesion oder bei sonst willkührlicher Strafe und verpflichtet sein, dieselben dem dortigen Beamtem als dem dortigen Hebunghsbeamten vorzuweisen. Wonach sich allunterthänigst zu achten. Urkundlich unter unserem vorgedruckten königlichen Insiegel. 

Gegeben in unserer königlichen Residenz Stadt Kopenhagen den 19. Februar 1863" 

Detlef Christian Schmidt II. starb 1886. Sein Sohn Detlef Heinrich übernahm im selben Jahr die Wirtschaft der Doppelkatenstelle. Er war bereits seit 1881 mit Caroline Margarethe Stoltenberg, Tochter des Hufners Claus Friedrich Stoltenberg von der Hufenstelle Nr. 22 in Schönkirchen verheiratet. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor: 

Detlef Friedrich II, geb. 24. Juni 1881 

Die junge Frau des Kätners Detlef Heinrich Schmidt, Lina, wie sie genannt wurde, starb nach nur zweieinhalbjähriger Ehe im Jahre 1884. Detlef Friedrich Schmidt heiratete 1885 Caroline Magdalena Plön aus Neuenkrug. Ein weiterer Schicksalsschlag traf die Familie 1892. Im Pferdestall seines Hauses wurde Detlef Friedrich vom Hufschlag eines Pferdes tödlich getroffen. 

Aus Detlef Heinrich Schmidts zweiter Ehe gingen keine Kinder hervor. Der Erbe des Hofes Detlef Friedrich II - Sohn seiner verstorbenen Frau aus erste Ehe mit Lina - war im Unglücksjahr erst elf Jahre alt. Ein Setzwirt mußte also die Wirtschaft der Stelle übernehmen. Da die Witwe keine neue Ehe einging und zu ihrer Familie nach Neuenkrug zurückkehrte, kam Schmidts Bruder Johannes Heinrich mit seiner Familie als Setzwirt auf die Doppelkatenstelle. Sie nahmen den kleinen Detlef Friedrich II bei sich auf. 

Johannes Heinrich Schmidt war in jungen Jahren im Kutscherdienst beim Herzog von Oldenburg tätig, betrieb dann ein Fuhrgeschäft in Eutin und ging in den 80er Jahren als Rangierer zur Deutschen Reichsbahn. Von dort kam er dann 1893 nach Schönkirchen. Detlef Friedrich Schmidt II ging nach seiner Konfirmation als "junger Mann" in Stellung beim Kätner Heinrich Schnoor in Muxall. Er heiratete 1901 Christine Arp. In dieser Ehe wurde ein Sohn geboren: 

Heinrich, geb. 1902 

Christine Arp starb im Juli 1916, und Detlef Friedrich II heiratete im April 1917 Luise Schnoor aus Muxall. Aus dieser zweiten Ehe gingen folgende Kinder hervor: 

1. Waldemar, geb. 1919
2. Ernst August, geb. 1932 

Detlef Friedrich trat das Erbe der Doppelkatenstelle in Schönkirchen nicht an. Er verpachtete seinem Onkel Johannes Heinrich Schmidt die Stelle 1905 auf fünf Jahre. Der Pachtvertrag sah die ungewöhnliche Regelung vor, daß der Pächter bevollmächtigt war, nach seinem Ermessen Land zu verkaufen, den Verpächter aber dementsprechend zu entschädigen. Die Grützmühle mit der Einrichtung, 50 Säcken und 12 Sieben, übernahm ebenfalls der Pächter. Für den Zugewinn aus der Bewirtschaftung der Grützmühle sollte der Pächter nach Ablauf des Vertrages eine Vergütung erhalten.

Die Inventarliste des Pachtvertrages liest sich wie folgt:

2 Pferde                     2 Stuhlwagen                       2 schottische Eggen

6 Kühe                       2 Bauwagen                          1 Walze

1 Starke                     1 Feldwagen                         4 Beile

1 Kalb                       1 Einspänner                         2 Bachtröge

2 Schweine               1 Schlitten                            1 Schleifstein

4 Gänse                     1 Staubmühle                       1 Schneidebank

12 Hühner                 1 Häksellade                        2 Dreifüße

30 Pf. Schinken        1 Häkselmaschine               5 Baljen

10 Pf. Wurst             1 zweischariger Pflug         1 Säge

94 Pf. Speck             1 Schwungpflug                   6 Kuhbäume

3 t Kartoffeln           3 Wagenlaken                      3 Kisten zum Mehlhandel

1 Sack Weizen         1 Schweinekasten               2 Dezimalwaagen mit Gewichten

1 Bank                       1 Sackkiste

3 t Gerste                  2 Schubkarren                     2 Eimer

2,5 t Maiskorn          5 Wendelbäume                  1 Sackwagen

6000 Soden Torf      2 Hungerharken                   3 Betten mit Bettstellen,

allerlei Hausgerät 

Inzwischen war Detlef Friedrich Schmidt in Muxall ansässig geworden und wollte seinem Onkel nach entsprechender Abfindung die Stelle überschreiben. 

Für diese Abmachung verkaufte Johannes Schmidt 21,5 t Land und reduzierte die Fläche der Doppelkatenstelle von 30 t auf einen Rest von 8,5 t. Ebenfalls verkaufte er die 1830 zur Stelle erworbene Kate "Hoch Lücht" an Johann Theede aus Schönkirchen. Die alte Stammkate der Familie und ein Stallgebäude verkaufte er an den Bäckermeister Werneck aus Kiel. Nach drei Generationen der Vater-Sohn-Folge ging der verbliebene Besitz 1910 an einen anderen Zweig der Familie Schmidt über. 

Der neue Besitzer Johannes Friedrich Schmidt war mit Emma Evers aus Eutin verheiratet. In dieser Ehe wurden folgende Kinder geboren:                                                             

1. Ernst Detlef, geb. 26. Juli 1890
2. Max, geb. 27. September 1894                                  
3. Else, geb. 15. Juli 1897                                  
4. Lisbeth, geb. 30. Juni 1904                             
5. Christian, geb. 15. Mai 1907                           

Der offizielle Betrieb der Grützmühle wurde bereits 1909 eingestellt, aber eine Abmachung zwischen den Besitzern der nicht mehr zusammengehörigen Katenstellen erlaubte es ihnen, für eine private Nutzung die Mühle weiterhin zu betreiben. Ernst Detlef, der letzter Bewohner des Hauses, nutzte diese Möglichkeit noch bis zum Ende des zweiten Weltkrieges und stellte für sich und manch anderen Bauern im Dorf Weizen-, Gersten- und Hafergrütze her, was ihm dann auch den Spitznamen "Ernst Grütt" einbrachte.

Ein Jahr später1910 eröffnete Johannes Schmidt eine Kohlenhandlung mit einem Pferdefuhrwerk auf der Katenstelle in der Dorfstraße. Ernst Schmidt arbeitete im Betrieb des Vaters.

Sein Bruder Max war verheiratet und hatte eine Tochter mit Namen Gerda. Max Schmidt arbeitete auf der Werft in Kiel. Dort verunglückte er einen Tag vor dem Weihnachtsfest 1934 in Ausübung seines Berufes tödlich.

Else Schmidt war verheiratet mit Willy Knegendorf. Sie lebten bis 1941 in Hamburg und kam dann nach Schönkirchen zurück. Lisbeth Schmidt heiratete Hans Meyer aus Wulfsdorf.

Christian Schmidt war verheiratet mit Ottilie Bronnmann aus Schönhorst. Er bewirtschaftete eine Siedlungsstelle in Schönhorst. Der Landmann Johannes Heinrich Schmidt starb 1937, seine Frau Emma starb drei Jahre später, im Sommer 1940. Die Kätnerstelle erhielt nicht, wie sonst üblich, der älteste Sohn, sondern alle fünf Geschwister oder deren Erben als Erbengemeinschaft.

Nach dem Tod der Eltern zog Else Knegendorf mit ihrem Mann in ihr Elternhaus, in dem ihr Bruder Ernst Schmidt allein lebte. Willy Knegendorf starb 1941. Nun bewohnten Ernst und Else das Haus allein, aber die Neffen und Nichten kamen häufig zu Besuch, es wurden Familienfeste gefeiert, und im Frühjahr 1950 trafen sich auf Initiative von Else Knegendorf in der guten Stube des Hauses ehemalige Mitglieder der durch die politischen Umstände vor dem Krieg aufgelösten Alten Gilde, um diese aus dem Dorfleben nicht wegzudenkende Institution neu zu gründen.


Else Knegendorf und Ernst Schmidt vor der Grootdör ihres Hauses im Jahre 1960

Im Sommer 1964 starb Else Knegendorf, und es wurde still im großen Strohdachhaus. Ernst Schmidt, der nie geheiratet hatte, wurde nun von seiner langjährigen Nachbarin Frieda Theede betreut und versorgt. Seine Kriegsverletzung machte ihm mehr und mehr zu schaffen. Mit fortschreitendem  Alter waren ihm beim Gehen zwei Krücken eine große Hilfe. Ein Spaziergang im Dorf war ihm schon lange nicht mehr möglich. Nur wenn Ende Mai die Gilde ihr alljährliches Fest feierte und auf dem Weg zum Gildeplatz ihrem langjährigen Mitglied ein Ständchen brachte, schaute Schmidt zur Tür heraus und dankte den Musikern mit einem verschmitzten Lächeln.

Länger als jeder andere Bewohner dieser Katenstelle lebte Ernst Schmidt 93 Jahre in dem schönen großen Bauernhaus. Er starb im Januar 1986 und wurde bei der Kirche im Erbbegräbnis der Familie Schmidt beigesetzt.

Die Besitzer der Kätnerstelle Nr. 13 (Schmidt-Haus)

1612  -  1632   Joachim Stoltenbergk
1633  -  1658   Hanß Dibbern
1659  -  1683   Joachim Maeß
1687  -  1709   Hanß Seemann
1710  -  1714   Johann Harder
1715  -  1725   Peter Arp
1726  -  1750   Peter Arp
1750  -  1760   Jacob Arp
1764  -  1799   Johann Arp
1799  -  1808   Marx Hausschildt
1809  -  1819   Marx Hinrich Hausschildt
1820  -  1838   Anna Margaretha Schmidt, verwit. Hausschildt Erben
1838  -  1850   Detlef Christian Schmidt
1850  -  1866   Detlef Christian Schmidt II.
1866  -  1892   Detlef Heinrich Schmidt
1892  -  1937   Joahnn Friedrich Schmidt
1937  -  1985   Johann Friedrich Schmidt Erben
1985  - Kultur - und Landschaftspflegeverein in der Gemeinde Schönkirchen  

Die Erhaltung des Schmidt-Hauses

 Durch eine zunehmende Wohnungsnot Mitte der 60er Jahre im Kieler Stadtgebiet erfuhren die Stadtrand- und Landgemeinden in der Gegend um Kiel in ihrer über Jahrhunderte gewachsenen örtlichen Bebauung eine grundlegende Veränderung. Viele alte Bauernstellen wurden verkauft und die Häuser und Scheunen abgerissen. Die auf solche Weise freigewordenen Flächen wie auch die dazugehörigen Weiden und Äcker wurden als Bauland für den Wohnungsbau ausgewiesen. Mit wachsender Sorge begleiteten die alteingesessenen Schönkirchener die Entwicklung ihres Dorfes. Mit dem Beschluß des Abbruchs von privaten und auch in Gemeindehand befindlicher Gebäude verschwanden in Schönkirchen eine Vielzahl von Häusern, die dem Ort sein charakteristisches Aussehen gaben.

 Es begann mit dem Abbruch der Mühle 1972, die trotz einer Unterschriftenaktion zu ihrer Erhaltung nicht gerettet werden konnte (siehe Kapitel 2.6 "Die Mühle"). 1968 erfolgte der Verkauf und Abbruch einer der traditionsreichsten Bauernstellen im Dorf, nach alter Bezeichnung die Hufenstelle Nr. 22, die über zweihundert Jahre im Besitz der Familie Stoltenberg war. Der Hof und die Hausweiden wurden mit Einfamilienhäusern bebaut, heute die Straße "Am Bahnhof". Das gleiche Schicksal traf die Kätnerstelle Nr. 15 der Familie Dahmke in der Dorfstraße Ecke Plüßkuhle und die ehemalige Dibbernsche Stelle Nr.19 am Dorfteich, die Fachhallenhäuser und Fachwerkscheunen fielen der Spitzhacke zum Opfer. 

Ende der 70er Jahre stagnierte der Wohnungsbau. Trotzdem mußten weitere Gebäude dem Straßenbau und der Ausweisung von Parkplatzflächen weichen. Die ehemalige Hirtenkate Nr. 3 unterhalb der Kirche, besser bekannt als das Eigentum der Familie Klein, das gesamte Anwesen der alten Schule, das Vorderhaus der ehemaligen Wieseschen Stelle, der Hufe Nr. 1, verschwanden aus obengenannten Gründen. Die Scheune der Katenstelle Nr. 25, im Besitz der Familie Hans Stoltenberg, mit ihrem für Schönkirchen einmaligen Fachwerkgiebel hielt den Anforderungen der Baubehörde nicht stand. Obwohl die Familie in den 60er Jahren die Gefache neu aufmauern ließ und auch sonst das Haus pflegte, wurde in den 80er Jahren eine große Dachsanierung erforderlich. Die Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen des Hauses ließ dann den Entschluß reifen, das Gebäude abzubrechen (siehe Kapitel 2.3 "Das Hörn-Huus"). Das gleiche Schicksal ereilte das Pastorenwitwenhaus am Dorfteich und das ehemalige Gemeindehaus, früher das Armenhaus des Dorfes in der Mühlenstraße.

 

Das Schmidt Haus im Winter 1992

Im Sommer 1983 vernichtete ein Feuer die Wirtschaftsgebäude der letzten großen Bauernstelle Stoltenberg in der Dorfstraße. Die freigewordenen Flächen wurden als Bauland ausgewiesen, verkauft und mit Doppelhäusern und Einfamilienreihenhäusern bebaut.

Die dichte Bebauung ließ erkennen, daß das gleiche Schicksal all der obengenannten Gebäude auch dem letzten großen reetgedeckten Fachhallenhaus in unmittelbarer Nähe des Neubaugebietes drohte. Um dieser Tatsache zuvorzukommen, nahmen zwei Bürger des Dorfes, Hans Prien und Helmut Kulse, den Kontakt zur Erbengemeinschaft Schmidt auf, um über den Verkauf des Hauses zu verhandeln. Die Verhandlungsgrundlage war die Erhaltung der gesamten Hofanlage unter Schaffung der Möglichkeit, den Schönkirchener Bürgern die große Diele für Veranstaltungen zugängig zu machen. Mit Rücksicht auf Ernst Schmidt, der die Wohnung weiterhin nutzte, sollten die Veranstaltungen zunächst nur in geringem Umfang stattfinden.

Im  September 1985 wurde man sich einig. Prien und Kulse gründeten im Oktober 1985 den "Kultur- und Landschaftspflegeverein in der Gemeinde Schönkirchen" (KLV), der es sich zur Aufgabe machte, die letzten reetgedeckten Häuser im Dorf vor dem Abbruch zu bewahren und das Schmidt-Haus mit kulturellem Leben zu füllen. Dieses Konzept stellte der Verein der Gemeindevertretung vor. Die Gemeinde finanzierte den Kauf des Hauses, der KLV als eingetragener Verein wurde Eigentümer der Hofanlage. 

Nach dem Tod von Ernst Schmidt im Januar 1986 begann der Verein, das Haus zu renovieren. Das reetgedeckte Dach wurde 1986 mit öffentlicher Förderung saniert. Mit Engagement und Ausdauer führten die Mitglieder viele Arbeiten in Eigenleistung aus. Der heutige Zustand des Hauses erlaubt es dem Verein, Veranstaltungen  der unterschiedlichsten Art in den Wohnräumen und auf der Diele durchzuführen. Die Schönkirchener und viele auswärtige Besucher haben das Schmidt-Haus als kulturelle Begegnungsstätte angenommen. 

Unverändert in seinem Aussehen steht das Schmidt-Haus nun seit 155 Jahren an der Stelle, die Deltlef Christian Schmidt 1838 für sein neues  Wohn- und Wirtschaftsgebäude ausgesucht hat. Das Landesamt für Denkmalpflege hat das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Die Initiative von Hans Prien und

Helmut Kulse hat ihren Zweck erfüllt, dem Dorf Schönkirchen bleibt über die zukünftige  Entwicklung und Veränderung des Ortes hinaus diese Hofanlage in ihrem Ursprung erhalten. 

Brigitte Prien